Podiumsdiskussion des Interkulturellen Forums zum Tag der Menschenrechte
am 7.12.2007 im Eine Welt Haus
Gegenüber den anerkannten Menschenrechten wie Freiheit und Gleichheit bleiben die sozialen Menschenrechte in der Öffentlichkeit zumeist unberücksichtigt. Ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln, bestellbares Land, ein gesicherter Arbeitsplatz mit menschenwürdiger Entlohnung - all diese Voraussetzungen für soziale Gerechtigkeit sind uns als fundamentale Grundrechte nicht präsent. In der Politik ist es nicht anders: Im neuen UN-Menschenrechtsrat streiten sich zum Beispiel die Mitgliedsländer darüber, ob soziale Rechte überhaupt als Menschenrechte gelten dürfen. Dass diese Frage die Arbeit des Rats seit seiner Gründung blockiert, ist verständlich, denn welches Land möchte auch noch für weltweite Verletzungen dieses Menschenrechts verantwortlich gemacht werden?
Während sich das Interkulturelle Forum in seiner letztjährigen Veranstaltung zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember den „klassischen“ Menschenrechten widmete, wollen wir dieses Jahr den Schutz der sozialen Menschenrechte zum Thema machen. Der Schwerpunkt soll dabei auf dem Recht auf Land liegen. Zum einen haben Landreformen in der Geschichte bis heute immer eine zentrale Rolle im Modernisierungsprozess von Gesellschaften gespielt. Zum anderen ist der Kampf um Boden auch der aktuelle Ausgangspunkt der sozialen Bewegungen in den Ländern der Dritten Welt. In den Landlosenbewegungen haben sich inzwischen weltweit viele Kräfte vernetzt. Sie setzen sich - jenseits von Politik und Parteien - von der Basis der betroffenen Bevölkerung aus für soziale Gerechtigkeit ein.
Am Beispiel von Ländern aus zwei Kontinenten, dem afrikanischen und dem lateinamerikanischen, soll über Erfahrungen mit verschiedenen Konzepten einer Agrarreform und deren Entwicklung berichtet werden. Vertreter von Organisationen, die in den Landlosenbewegungen aktiv sind, werden dann Perspektiven aufzeigen, wie derzeit und in Zukunft das Recht auf Land und Nahrungsmittel wirkungsvoll eingefordert werden kann. Daran wird sich eine gemeinsame Diskussion anschließen.
Grundlage der Veranstaltung ist ein Gespräch zwischen den Referenten/-innen:
Christopher Hak (aufgewachsen in Brasilien und Mitglied des „casa do brasil“ im Eine Welt Haus)
Katja Maurer (Öffentlichkeitsreferentin von Medico International, Frankfurt)
Moderation: Renate Börger (Journalistin, Attac)